Ein persönlicher Besuch von mir, Alexander Fürlinger, im Wohnblock Baumgarten
Es regnet, als ich an diesem Abend nach Baumgarten fahre. Nach den vielen trockenen Tagen macht mir der Regen nichts aus – im Gegenteil, er fühlt sich fast wie eine kleine Rückkehr zur Normalität an. Vor mir steht der neue Wohnblock, der erst vor kurzer Zeit errichtet worden ist und inzwischen sichtbar mit Leben gefüllt ist. Für mich ist es das erste Mal, dass ich ihn betrete.
Heute treffe ich jemanden, der für mich ein Beispiel dafür ist, wie viel Kraft, Ernsthaftigkeit und Menschlichkeit in unserer Jugend steckt. Jemand, der beweist, dass Engagement nicht vom Alter abhängt – sondern vom Charakter.
Maximilian erwartet mich bereits, gemeinsam mit seiner Freundin, die mir die Wohnungstür offen hält, als ich das Stiegenhaus hinaufgehe. Es ist still, warm, freundlich. Nicht einmal der Geschirrspüler wird eingeschaltet – „damit wir ungestört reden können“, sagt seine Freundin lächelnd. Diese Rücksicht, diese Ruhe, dieser Respekt: Sie begleiten das ganze Gespräch.

Ein junger Haibacher, der Verantwortung übernimmt
Maximilian ist 19 Jahre alt. Er hat Beschriftungsdesign und Werbetechnik gelernt, ein Beruf, der Kreativität und Genauigkeit verlangt. Geboren wurde er nicht in Haibach, sondern in Linz – aber mit einem Umweg über Lichtenberg ist er seit kurzer Zeit hier zuhause. Und Haibach hat mit ihm einen Einwohner gewonnen, der nicht nur hier wohnt, sondern Verantwortung übernimmt und zeigt, was junge Menschen leisten können.
Als ich ihn frage, warum er sich für den Zivildienst entschieden hat, kommt die Antwort ohne Zögern: „Ich wollte mit Menschen arbeiten. Ich wollte helfen.“
Es ist kein Satz, den man sagt, um gut dazustehen. Es ist ein Satz, der aus Überzeugung kommt.
Der Weg in die Radiologie – und weiter in die Unfallambulanz
Maximilian verbringt seinen gesamten Zivildienst in der Radiologie. Dort wächst er Schritt für Schritt in die Abläufe hinein, zuerst als Abteilungshelfer, später im Unfallröntgen. Dieser Bereich liegt zwar direkt in der Unfallambulanz, gehört aber organisatorisch weiterhin zur Radiologie. Genau dort übernimmt Maximilian schließlich Aufgaben, die zuvor noch nie ein Zivildiener gemacht hat. Für ihn ist es ein besonderer Moment: derselbe Dienst, dieselbe Abteilung, aber ein neuer, herausfordernder Platz mitten im Geschehen.
Ich frage ihn, wie das war.
Er lehnt sich zurück, denkt kurz nach und sagt: „Am Anfang war’s heftig. Aber ich wollte es schaffen.“
Die Unfallambulanz ist kein leichter Ort. Menschen kommen dort an, wenn etwas passiert ist – oft plötzlich, oft schmerzhaft, manchmal dramatisch. Maximilian erzählt von Jugendlichen, die verunfallen, von Patienten, die Angst haben, von Situationen, die man nicht vergisst.
Er spricht von Krebspatienten, von schweren Verletzungen, von abgetrennten Körperteilen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich: Wie kann ein Mensch ohne jahrelange Erfahrung oder Vorbereitung diese Bilder verarbeiten? Ich ertappte mich auch hier dabei nachzudenken, wie es mir gehen würde, wenn ich so etwas sehe – Bilder, die nicht alltäglich sind. Würde ich da ruhig bleiben? Würde ich nach fünf Sekunden kreidebleich werden und zusammenkippen? Würde ich danach schlafen gehen können? Würde ich am nächsten Tag dann wieder gerne arbeiten gehen? → vermutlich würde mein nächster Arbeitstag keine Freude mehr bereiten.
Und er erzählt es nicht, um zu schockieren, sondern um zu zeigen, wie wichtig Ruhe, Menschlichkeit und klare Entscheidungen sind. „Manche sind aggressiv“, sagt er. „Aber du darfst nichts persönlich nehmen. Die Leute haben Schmerzen, Angst, Stress. Wenn du ruhig bleibst, beruhigt sich vieles.“


Nun ertappe ich mich schon wieder dabei, mir vorzustellen, wie ich reagieren würde, wenn ich jemandem helfe und er mir droht oder mich beschimpft. Mich macht es traurig, dass es solche Menschen gibt, aber es zeigt mir auch, dass mir nicht bewusst ist, wie Menschen in Stresssituationen reagieren – es ist nun einmal die Realität, dass nicht jeder dankbar ist.
Ein Team, das zusammenhält – und ein Zivildiener, der dazugehört
Maximilian erzählt mir, wie er in der Ambulanz aufgenommen wurde. Der Ton ist manchmal rau, die Arbeit körperlich anstrengend, die Situationen herausfordernd. Aber das Team steht zusammen. Er wird ein Teil davon.
„Nach ein paar Wochen war’s wie eine Familie“, sagt er.
Ich sehe ihm an, dass er das meint. Er spricht mit Respekt über die Ärztinnen und Ärzte, über die Pflegekräfte, über die Radiologietechnologen. Und er spricht mit Dankbarkeit über Daniel Schneeweis, den Leiter der Radiologietechnologie, der ihn unterstützt hat – ohne selbst im Rampenlicht stehen zu wollen.
Daniel erkannte, wie wertvoll ein Zivildiener sein kann. Nicht als „Helferlein“, sondern als echte Ergänzung im Team. Als jemand, der Farbe in den Erstaufnahmeraum bringt, der sich die Zeit nehmen darf, Patienten zu beruhigen, der mit anpackt, wenn es hektisch wird.


Eine Auszeichnung, die stolz macht
Maximilian erzählt mir von dem Moment, als er erfuhr, dass er für eine besondere Ehrung nominiert wurde. Fotos, Interviews, Filmteam – und schließlich die Einladung ins Bundeskanzleramt. Dort überreichte ihm Claudia Bauer die Auszeichnung für herausragende Leistungen im Zivildienst.
Ich sehe ihm an, dass er noch immer nicht ganz fassen kann, was da passiert ist.
„Ich hab einfach meinen Job gemacht“, sagt er leise.
Und genau das macht diese Geschichte so stark.
Ein junger Mann aus Haibach, der seinen Dienst ernst nimmt, der körperlich anstrengende Arbeit leistet. Der Menschen beruhigt, ihnen zuhört, ihnen hilft. Der Verantwortung übernimmt, wo andere vielleicht zurückschrecken würden. Und der dafür geehrt wird – nicht, weil er sich in den Vordergrund drängt, sondern weil er es verdient hat.



Was bleibt – und was Haibach daraus lernen kann
Als ich später wieder in den Regen hinaustrete, denke ich darüber nach, wie oft man hört, die Jugend sei faul, unmotiviert, nur am Computer. Und wie falsch dieses Bild ist.
Maximilian zeigt das Gegenteil: Er zeigt, dass junge Menschen bereit sind, anzupacken. Dass sie Verantwortung übernehmen möchten. Dass sie sich für andere einsetzen. Dass sie körperlich und emotional herausfordernde Arbeit leisten – und dabei wachsen.
Einen jungen Mann, der zeigt, was möglich ist, wenn man mit Herz und Motivation arbeitet. Einen Zivildiener, der nicht nur hilft, sondern Menschen berührt.
Haibach kann stolz sein, einen wie ihn zu haben. Einen Zuzügling, der ein Haibacher werden möchte. Hier kann ich auch mitfühlen, denn auch ich bin zugezogen und weiß, dass man nicht einfach so Haibacher kennenlernt, sondern dass man dafür etwas tun muss. Als Zuzügling hat man nicht den Bonus, viele Menschen in der neuen Gemeinde zu kennen.
Da hilft es enorm, sich in den vielen Vereinen, die es bei uns gibt, einzugliedern – für mich haben zum Beispiel die Dorfentwicklung, der Tennisverein, der Elternverein und Tischtennis als Startpunkt gut geholfen und auch einfach „raus“ zu gehen, wo sich Menschen befinden, denen es nicht unangenehm ist, mit ihnen zu reden. Hier kann ich auch Maximilian und anderen empfehlen, sich umzuschauen. Es gibt wirklich viele liebevolle Menschen hier in Haibach – aber das findet man nur im Gespräch oder bei gemeinsamen Aktivitäten heraus –
„Habt den Mut!“
Und ich bin froh, dass ich an diesem regnerischen Abend in Baumgarten war – um jemanden kennenzulernen, der beweist, dass Jugend nicht faul ist. Sondern ein Gewinn.

